Wenn die Prognose die Ergebnisse beeinflusst

Dieser Beitrag ist Teil der Serie „Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast“.

Gerade jetzt in der Wirtschaftskrise (auch wenn es im Moment gefühlt aufwärts geht) hört man gelegentlich die Befürchtung, dass schlechte Prognosen der Stimmung der Bevölkerung und letztlich auch der Wirtschaft schaden. Damit kommt ein ganz wichtiger Punkt zur Sprache: Viele Prognosen beeinflussen selbst den prognostizierten Sachverhalt. Das kann auf unterschiedliche Weise geschehen.

Selbsterfüllende Prophezeiung (self-fulfilling prophecy)

In vielen Fällen beeinflusst eine Prognose das tatsächliche Geschehen so, dass tendentiell die vorausgesagten Ereignisse eher eintreffen. Das kann auf individueller psychologischer Ebene (wenn jemand prognostiziert das etwas gegen eine Krankheit hilft, wirkt evtl. der Placeboeffekt) aber wie oben beschrieben auch auf Ebene weltweiter Wirtschaftssysteme passieren. Deshalb:

  1. Nie behaupten, dass die Bank bei der das eigene Geld liegt bald pleite ist, sonst ist sie ’s irgendwann tatsächlich…
  2. Erst Aktien kaufen, und anschließend prognostizieren, dass ihr Kurs steigt 😉 Ich sehe allerdings gerade, dass die Idee weder neu noch legal ist 🙁

Selbstzerstörende Prophezeiung (self-defeating prophecy)

Aber auch das Gegenteil einer selbsterfüllenden Prophezeiung ist möglich: Eine Prognose kann das Eintreffen ihrer Voraussagen verhindern. Relativ genaue Vorhersagen eines Unglücks können zum Beispiel bewirken, dass Maßnahmen eingeleitet werden, die das beschriebene Unglück unmöglich machen. Das Jahr 2000-Problem dürfte beispielsweise durch recht düstere Prognosen im Vorfeld deutlich abgemildert worden sein (wenn die schlimmsten Prognosen zugetroffen hätten, wären wir heute wahrscheinlich nicht mehr hier).

Fazit

Menschen die Prognosen anstellen müssen, sollten sich, wenn die Prognose hinreichend respektiert ist, auch Gedanken darüber machen, was ihre eigene (und ggf. ähnliche) Prognosen bewirkt. Damit haben sie auch ein wenig Macht und es stellt sich die Frage, ob man allzu negative Prognosen z.B. in wirtschaftlich schwierigen Zeiten überhaupt noch veröffentlichen sollte – ich habe allerdings Zweifel, dass der Verzicht auf eine Prognose als positives Signal aufgenommen wird. Und je mehr man über die Zukunft weiß, desto besser kann man sich darauf vorbereiten – normalerweiße.

bleibt noch zu sagen…

…das gelegentlich auch Statistiken ohne echte Prognosen Auswirkungen auf die Zukunft haben, die sie (die Statistik) eher nicht haben sollten, aber passt das hier ‚rein?

von xkcd.com (auf 's Bild klicken)
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